Absinthe aus Fougerolles
Die Distillierie Lemercier entstand im 19. Jahrhundert aus einem landwirtschaftlichen Betrieb, der Obst destillierte. Anfänglich gab es Schwierigkeiten, den Kirsch an den Mann zu bringen, da in Fougerolles auf jedem Bauernhof selbst gebrannt wurde. So reiste Desle Nicolas Lemercier mit gefüllten Fässern nach Burgund, verkaufte dort seinen Schnaps und kaufte dort im Gegenzug Wein, den er wiederum in Fougerolles verkaufte. So wurde aus dem Schnapsbrenner ein Weinhändler.
1881 siedelten die Nachkommen von Desle Nicolas Lemercier von Grand-Fahys nach Fougerolles über, wo sie ein Grundstück gegenüber dem neuen Bahnhof kauften. Constante und Isidor begriffen sehr schnell, dass die Eisenbahn ihrem Geschäft gro�en Auftrieb geben würde, denn nur durch sie war es möglich, Produkte überregional zu vertreiben. In der Rue de la Gare wurden Gebäude für Herstellung, Lagerung und Verwaltung gebaut, die heute noch dort stehen.
Desle Nicolas Lemercier destillierte auch Absinthe. Dabei war er nur einer von annähernd 50 Brennern in und um Fougerolles. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, welchen Stellenwert Absinthe damals hatte.
Absinthe entwickelte sich rasch zum Topseller, so dass 1890 eine weitere Brennerei in Fougerolles gekauft wurde, die nur Rohalkohol (einer der Grundstoffe für Absinthe) aus roter Beete hergestellte. Da man diese aber genauso wie die zum Heizen benötigte Kohle von weit her nach Fougerolles holen musste, wurde die Rohalkoholherstellung wegen Unrentabilität 1907 wieder eingestellt.
Der Verkauf von Kirsch, Schnaps, Absinthe und Wein entwickelten sich kontinuierlich, so dass Isidore Lemercier eine eigene Böttcherei gründete. Auch damit hatte das Untenehmen gro�en Erfolg, denn die meistern anderen Brennereien aus der Region und den angrenzenden Departements kauften ihre Fässer von Lemercier.
Etwa 1920 kam eine Korbflechterei dazu, die mehrere 100 Personen Heimarbeit gab und einige Arbeiter vor Ort beschäftigte, die die bauchigen Flaschen verarbeiteten. Bis ca. 1974 lief dieses Geschäft weiter.
Georges Labbe diversifizierte 1925 das Geschäft mit einer Essigproduktion, die eine gewisse Bedeutung gewann und noch heute besteht.
Heute produziert Lemercier Freres Fruchtschnäpse (Kirsch, Mirabelle, Zwetschgen, Pflaumen, Himbeere und Williams Birne), Liköre, Aperiftifs, Alkohol und Weinessig. 1991 übernahm Alain Aureggio, ein direkter Nachfahre der Lemercier Familie die Geschäfte.